Geschichte der Schönheitschirurgie

Bild: Die erste Nasen-OP in der Geschichte – bekannt auch als die „Indische Nasenplastik“ | Was treibt die Menschen an, nach der Schönheit zu streben? Geht es nach dem Schriftsteller Stendahl, ist die Schönheit ein Versprechen von Glück. Eins, das viele Türen öffnet und Karrieren florieren lässt. Nirgendwo ist die Sehnsucht nach Perfektion so groß wie auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten in Hollywood. Der Natur mit einigen Eingriffen nachzuhelfen, verführte so manch eine Berühmtheit. Denn schließlich ist ihr Körper auch ihr Kapital. Die Schönheitschirurgie wie sie wir heute kennen, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Immer der Nase nach – die Anfänge der Schönheitsoperationen

Gemeinhin wird Indien als die Wiege der ersten Schönheitsoperationen angesehen, weshalb der Begriff „Indische Nasenplastik“ in die Fachsprache eingegangen ist. Die Sitte, Verbrechern die Nase abzuschneiden, führte zu der Nachfrage einer Rekonstruktion, die aus den Hautlappen der Stirn formiert wurde. Auch dass die damalige Hochkultur Ägypten bekanntermaßen ein Auge für die ästhetische Wahrnehmung besaß, dokumentieren zahlreiche Quellen. Neben äußeren Schönheitsoptimierungen, fanden Archäologen an Mumien Spuren von Ohrenoperationen.
Im Mittelalter setzte sich die Auseinandersetzung mit der Nase fort, denn auch Krankheiten wie Syphilis hinterlassen Spuren im Gesicht, mitunter fault die Nase und bricht später ab. Die soziale Ächtung und der Verlust des Gesichts wogen höher als die Folgen einer Operation ohne Desinfektion und Betäubung.
Doch es war die Renaissance, die die indische Tradition im vollen Umfang wiederbelebte, denn mit der Maxime „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“, stand ein neues Schönheitsideal nach dem goldenen Schnitt im Vordergrund. Auch die Beschäftigung mit der menschlichen Anatomie stellte einen weiteren Impuls für plastische Eingriffe dar. Als Pionier der plastischen Chirurgie gilt daher der italienische Arzt Gaspare Tagliacozzi, der 1597 sein Werk publizierte, in dem er seine alternative Methode zur indischen Nasenplastik beschrieb. Es handelte sich dabei um die gestielte Armlappenplastik, bei der aus der Haut des Oberarms die Nase modelliert wird.
In den nächsten Jahrhunderten wurden Operationen an Augen, Wangen und Nase mit dem Fortschritt in der Technik immer mehr professionalisiert, denn mit dem ersten chirurgischen Eingriff unter Äthernarkose 1845 wurden auch größere Einsätze erleichtert.

Neues Antlitz braucht das Land. Oder: Die Ästhetische Chirurgie auf dem Prüfstand

Der Erste Weltkrieg stellte ein einschneidendes Ereignis in der europäischen Geschichte dar, aber auch aus medizinischer Sicht führte er die Chirurgie bis an ihre Grenzen. Wie kein anderer Krieg zuvor, entstellte es das Antlitz vieler Soldaten. Tiefer als die Verletzungen selbst, saß der psychologische Schmerz, deformiert zu sein. Um diesen Menschen ein neues Gesicht zu verleihen, wurde die Schönheitschirurgie vorangetrieben. In dieser Anfangszeit bewegte sich die Rekonstruktionschirurgie ganz nah bei der ästhetischen. Beides bedingte sich, denn der operative Eingriff erfolgt nach einem ästhetischen Augenmaß, bei dem Deformationen, die durch Unfall oder Krankheit entstanden sind, behoben werden. Aber auch angeborene Anomalien gehören in diese Kategorie. Dennoch emanzipierte sich die Ästhetische Chirurgie zu einer Spezialdisziplin, denn die Nachfrage für eine Schönheitsoptimierung wuchs stetig mit der Verbesserung der Operationstechnik sowie den immer sichereren Narkose-Verfahren. So sorgte ein neues Operationsverfahren an der Berliner Universitätspoliklinik für orthopädische Chirurgie von Jacques Joseph für Furore. Er operierte 1896 mit einem neuen Verfahren die zu groß abstehenden Ohren eines Jungen aus „Schönheitsgründen“. Obwohl das Ergebnis eine Hochachtung bei Jacque Josephs Kollegen auslöste, wurde er von seinem Chef, Julius Wolff, wegen des unnötigen Eingriffs ohne Rücksprache entlassen. Aber dieser Einschnitt brachte Jacques Joseph eine neue Perspektive, denn er eröffnete seine eigene Praxis, in der er sich der Chirurgie nicht nur aus medizinischen Gründen widmete, sondern auch psychischer Natur. Ihn interessierte die Heilung von seelischen Depressionen an denen seine Patienten unter ihrem Aussehen litten. Berühmt-berüchtigt wurde seine Praxis auch als „das Haus der veränderten Nasen“, benannt nach dem gleichnamigen Essay des rasenden Reporters Egon Erwin Kisch. Mit seiner Expertise verhalf er gerade nach dem ersten Weltkrieg, wie bereits erwähnt, zahlreichen traumatisierten Soldaten zu einer neuen Existenz, denn die „Mondlandschaften des Todes“, wie Alfred Döblin sie bezeichnet hat, stellten eine große Herausforderung dar. Für diese enorme Leistung erhielt Jacque Joseph 1919 nicht nur das Eiserne Kreuz, sondern avancierte zu dem bekanntesten Schönheitschirurgen seiner Zeit. Sein Ruhm reichte auch über den Atlantik hinaus, hin zum Ursprungsland der Schönheitsoperationen: Indien.

Geschichte der Schönheitsoperationen: Die Schönheits-OP in Zeiten des Glamours

Einige Medizinhistoriker konstatieren, dass die Schönheitsoperation mit der Entwicklung der ersten Silikonimplantate 1962 in die Annalen einging. Damit geriet die Brustvergrößerung zum Motor der Ästhetischen Chirurgie. Doch bis zu der ersten erfolgreichen Operation war es ein langer Weg voller waghalsiger Experimente mit allerlei Materialien wie Schwämmen, Glaskugeln oder Paraffin. Oft endeten dise Versuche mit Verstümmelungen oder gar mit dem Tod der Patientin selbst. Allerdings gelang es dem französischem Arzt Hippolyte Morestin bereits 1907, die erste Brustverkleinerung durchzuführen.
Heute steht die Schönheitsoperation in einem kulturell soziologischen Spannungsfeld, die in eine ethische Debatte eingebunden ist. Sie gehört damit, nach Ansicht vieler Historiker, zum Projekt der Moderne. Seit der Aufklärung greift das Konzept der Autonomie und der Natur auf viele Lebensbereiche des Menschen, auch auf die des eigenen Körpers. Doch steht die Identität immer in Relation zum zeitgenössischen Schönheitsimperativ. Auch wenn wir autonom agieren, unterliegen unsere Entscheidungen kulturellen sowie ästhetischen Normen.
Popularisiert von der frühen Hollywood-Filmkultur, wurden Schönheitseingriffe bereits in den 60er Jahren salonfähig. Selbst die Ikone des Sexappeals, Marilyn Monroe, half ihrer natürlichen Schönheit nach und lies sich die Kinnpartie operieren. War die körperästhetische Modellierung vorerst ein Privileg des Glamours und der Reichen, setzte sich später die Demokratisierung durch. Es wurde für viele Gesellschaftsschichten immer erschwinglicher, sich „unters Messer“ zu legen. Damit ist die Geschichte der Schönheitschirurgie eine Geschichte der Teilhabe an der Schönheit.

Bildnachweise:
Foto 1: Fæ, Lizenz: CC-BY-SA-4.0
Foto 2: Gemeinfrei
Foto 3:
Colourbox.com

Dr. Markus Klöppel

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